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  Zusammenfassungen des Jahrbuches Nr. 88 (2005)

 

 
   

Stefanie Jacomet und Christoph Brombacher
Abfälle und Kuhfladen - Leben im neolithischen Dorf. Zu Forschungsergebnissen, Methoden und zukünftigen Forschungsstrategien archäobotanischer Untersuchungen von neolithischen Seeufer- und Moorsiedlungen

     

Erwin Riegert, Irene Ebneter, Renate Ebersbach, Örni Akeret und Urs Leuzinger
Die Epi-Rössener Siedlung von Sevelen SG-Pfäfersbüel

     
 

Erwin Riegert, Stefanie Jacomet, Sabine Hosch, Heide Hüster Plogmann, Philippe Rentzel, Christine Pümpin und Jehanne Affolter
Eine Fundstelle der Glockenbecherzeit in Wetzikon ZH-Kempten, Tösstalstrasse 32-36

     
 

Patrick Moinat et Mireille David-Elbiali
Saint-Prex (Vaud) à l'âge du Bronze: le cas d'une commune lémanique

   
     
 

Berhard Bigler
Der Rheinsberg bei Eglisau, Kanton Zürich. Eine spätbronzezeitliche Höhenbefestigung. Mit einem Beitrag von Margarita Primas: Die Höhenbefestigung im spätbronzezeitlichen Umfeld

     
 

Pascale Hofmann Rognon
Une carrière romaine de pierre jaune à Hauterive NE

     
 

Andrea Hep und Reto Marti, unter Mitarbeit von Herrmann Huber und David Wälchli
Neues zur Besiedlung des Fricktals in prähistorischer und frühmittelalterlicher Zeit. Die Ausgrabungem in Gipf-Oberfrick 1998 (Allmentweg) und 2002 (Kornbergweg)

     

Irene Ebneter

Verloren - geopfert - entsorgt. Flussfunde aus der Thur bei Schwarzenbach und Unterbazenheid (Kanton St. Gallen)

 

Stefanie Jacomet und Christoph Brombacher

Abfälle und Kuhfladen - Leben im neolithischen Dorf. Zu Forschungsergebnissen, Methoden und zukünftigen Forschungsstrategien archäobotanischer Untersuchungen von neolithischen Seeufer- und Moorsiedlungen


In einem neolithischen Dorf wurden nicht nur Lebensmittel gelagert, es gab auch haufenweise Abfall — entsprechend übel es muss gerochen haben. Die Bewohner litten an einer ganzen Anzahl Parasiten. Das tägliche Leben war hart und man war den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert.

Solche Informationen haben die archäobotanischen und archäozoologischen Untersuchungen der letzten 25 Jahre an Seeufer- und Moorsiedlungen im Umkreis der Alpen ergeben — und manches mehr: So ist mindestens für verschiedene Zeiträume und Regionen zur Genüge bekannt, was angebaut und gesammelt wurde. Doch was wissen wir darüber hinaus? Von Interesse für die archäologische Forschung sind vor allem Kenntnisse zur inneren Organisation von Siedlungen, d.h. wo Abfälle hingeworfen wurden, ob und wann sich Tiere in der Siedlung aufhielten und ob die Bewohner und Bewohnerinnen einzelner Gebäude sich unterschiedlich ernährten. Erst wenn solche Informationen über «intra-site-patterns» in einer Siedlung vorliegen, können Differenzen zwischen Siedlungsplätzen herausgearbeitet werden. Im Beitrag wird dargelegt, dass wir darüber nach wie vor sehr wenig wissen, d.h. es gibt trotz zahlreicher Rettungsgrabungen viel zu wenige repräsentativ untersuchte Siedlungsplätze. Ausserdem sind die Kenntnisse über landwirtschaftliche Tätigkeiten in einzelnen Regionen nach wie vor sehr lückenhaft. Von fast der die Hälfte der 86 seit den 60er-Jahren des 20. Jh. untersuchten Siedlungsplätze gibt es nur statistisch nicht verwertbare Daten. Es besteht also weiterhin viel Forschungsbedarf, wollen wir eines Tages Aussagen über «spezialisierte» Siedlungen machen oder mehr Erkenntnisse zu Aktivitäten von BewohnerInnen einzelner Häuser gewinnen. Im Hinblick darauf wird dargelegt, wie Siedlungsplätze beprobt werden müssen, um sich möglichst alle Optionen für eine Auswertung offen zu halten. Wichtig ist es für die Zukunft ausserdem, beim Sieben der Proben und bei der Quantifizierung der Reste ein standardisiertes Vorgehen anzuwenden.


Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 7–39.

 


Erwin Riegert, Irene Ebneter, Renate Ebersbach, Örni Akeret und Urs Leuzinger

Die Epi-Rössener Siedlung von Sevelen SG-Pfäfersbüel


Auf dem Felskopf Pfäfersbüel bei Sevelen SG im St. Galler Rheintal führte die Entdeckung prähistorischer Keramik in einer Baugrube zur Notgrabung. Die komplexe Schichtabfolge enthielt Funde vom frühen Jungneolithikum bis ins Hochmittelalter. Von herausragender Bedeutung für die Region sind die Epi-Rössener Schichten mit zwei Siedlungsphasen. Ihnen sind fünf Herdstellen zuzuordnen. Für die ältere Phase kann mindestens ein Hausstandort erschlossen werden. Das Epi-Rössener Fundmaterial enthält Kugelbecher vom Typ Borscht-Inzigkofen. Durch wenige Funde und Befunde lassen sich Siedlungstätigkeiten während der Lutzengüetle- bzw. frühen Pfyner Kultur, der Horgener Kultur und der Schnurkeramik nachweisen. Die neolithischen Schichten werden von einem mächtigen Kulturschichtpaket mit Hausbefunden der Früh- und Mittelbronzezeit sowie der Eisenzeit überlagert. Einzelfunde und Befunde zeigen die Nutzung des Pfäfersbüel in römischer Zeit und im Hochmittelalter.

 

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 41–86.

 


Erwin Riegert, Stefanie Jacomet, Sabine Hosch, Heide Hüster Plogmann, Philippe Rentzel, Christine Pümpin und Jehanne Affolter

Eine Fundstelle der Glockenbecherzeit in Wetzikon ZH-Kempten, Tösstalstrasse 32-36

 

Geplante Bauarbeiten zur Erweiterung der Berufswahl- und Weiterbildungsschule Zürcher Oberland erforderten vorgängige archäologische Sondierungen. Abgesehen von römischen Funden wurde eine Strate mit glockenbecherzeitlichen Scherben entdeckt. Die darauf eingeleitete Rettungsgrabung führte zur Freilegung eines verlandeten Bacharmes. In dieser natürlichen Senke war eine Kulturschicht der Glockenbecherzeit erhalten geblieben. Bauliche Strukturen wurden nicht festgestellt. Das umfangreiche Fundmaterial und die C14-Daten lassen eine über längere Zeit dauernde Besiedlung vermuten. Von grossem Interesse sind zudem die Ergebnisse der Archäobiologie. An Tierknochen liessen sich ausschliesslich Haustiere bestimmen. Unter den Kulturpflanzen war Gerste, gefolgt von Emmer am stärksten vertreten. Der deutliche Nachweis von Grünlandpflanzen weist auf die Verwendung von Heu. Dies deutet auf eine Öffnung der Landschaft im Endneolithikum.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 87-118.

 


Patrick Moinat et Mireille David-Elbiali

Saint-Prex (Vaud) à l'âge du Bronze: le cas d'une commune lémanique

Der vorliegende Artikel präsentiert die Resultate einer Ausgrabung, die jüngst in Saint-Prex VD-La Moraine stattgefunden hat, ferner sämtliche in der gleichen Gemeinde geborgenen bronzezeitlichen Kleinfunde aus Siedlungs- und aus Grabzusammenhang. Die Ensembles sind beschrieben und präzis datiert. Bei der Gegenüberstellung von Nekropolen und Siedlungen springen fünf Aspekte ins Auge:

— Die chronologische Betrachtung ergibt, dass die spätbronzezeitlichen Siedlungen und Bestattungen mindestens teilweise zeitgleich sind. Ausserdem erweist sich die chronologische Sequenz der Ufersiedlung als ungewöhnlich lang.

— Das mittlere 11. Jh. v.Chr. ist in der Ufersiedlung mit zwei Keramikfragmenten vertreten.

— Auf der Basis der Körpergräber im Genferseegebiet lassen sich die Bestattungsriten summarisch umschreiben.

— Der Vergleich von Objekte aus Grabzusammenhang mit solchen aus der Alltagswelt macht deutlich, dass erstere eng mit dem/der Toten verbunden sind und einen stark symbolischen Gehalt haben.

— Die Armreife in den Gräbern sind vermutlich als ethnische und soziale Kennzeichen zu interpretieren.


Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 119-168.

 


Berhard Bigler

Der Rheinsberg bei Eglisau, Kanton Zürich. Eine spätbronzezeitliche Höhenbefestigung.

Mit einem Beitrag von Margarita Primas: Die Höhenbefestigung im spätbronzezeitlichen Umfeld

Teil Bigler: Der Rhinsberg liegt gut 20 km nördlich von Zürich, unmittelbar westlich der Einmündung der Töss in den Rhein, der dort eine Knie nach Süden bildet (Abb. 1)

Ein mächtiger, noch nicht datierter Abschnittswall trennt seinen südlichen Teil vom nördlichen Plateau ab. Archäologische Untersuchungen von Universität und Kantonsarchäologie Zürich fanden in den Jahren 1998–2000 in der vom Wall eingeschlossenen Fläche statt, mit dem Ziel, allfällige Siedlungsspuren zu erfassen und zu datieren. Wichtigstes Ergebnis war die Entdeckung eines noch weitgehend intakten Randwallfundaments an der Westkante des Plateaus. Konstruktionshölzer aus Eiche ergaben C14-Daten und ein Dendrodatum ohne Splint und Waldkante. Sie verweisen übereinstimmend in die Spätbronzezeit (HaB).

Hinter dem Randwall und hinter dem nicht untersuchten Abschnittswall wurden Siedlungsbefunde festgestellt, mit denen ein spätbronzezeitliches Keramikinventar assoziiert war. Silices und wenige Fragmente römischer und mittelalterlicher Keramik belegen die Nutzung des Areals in weiteren Epochen.

Beitrag Primas: Eine Reihe von Wallanlagen aus verschiedenen Perioden säumt den Hochrhein, doch ist erst die Randbefestigung auf dem Rhinsberg mit Sicherheit als spätbronzezeitliche Konstruktion identifiziert. Die Uferregion des Rheins erweist sich je länger umso deutlicher als bronzezeitliche Siedlungslandschaft. Im unteren Glatttal, dessen Ostflanke der Rhinsberg bildet, liegt der zeitliche Schwerpunkt der bis heute erkannten Siedlungen, Gräber und Aktivitätszonen in der mittleren Bronzezeit und den Frühphasen der Spätbronzezeit. Im Gebiet der Stadt Bülach sind aber auch die jüngeren Phasen vertreten. Die Befestigungsanlage auf dem Rhinsberg war wahrscheinlich vom Tal aus sichtbar: Rodungen werden durch die im Wall verbauten Eichen, die Lehmschüttung und die Holzkohle im Sediment des Plateaus angezeigt. Damit wird aber die alte These eines Refugiums unwahrscheinlich.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 169-200.

 


Pascale Hofmann Rognon

Une carrière romaine de pierre jaune à Hauterive NE

Im Herbst 1993 führte die Überwachung eines Bauplatzes in Hauterive NE zur Entdeckung eines Steinbruchs, in dem sog. Pierre jaune von Hauterive (calcaire Hauterivien) abgebaut worden war. Service und Musée d'archéologie des Kantons Neuenburg führten darauf hin Untersuchungen in einem zuvor als Weinberg genutzten Areal durch, bei denen Abbauspuren als letzte Zeugen der Steingewinnung zum Vorschein kamen. Die Analyse der archäologischen Kleinfunde war für die Datierung von zentraler Bedeutung: Die Spuren der Arbeitsgeräte im Fels verraten die Zeitstellung der Tätigkeit nicht präzis, und nur die Objekte in der Verfüllungen lieferten genaue chronologische Anhaltspunkte.

Offenkundig wurde die Hauterivekalk-Bank in zwei verschiedenen Epochen genutzt: In römischer Zeit wurde im unteren Bereich der Grabungsfläche Stein abgebaut. Der Fels ist dort mit einer Schicht mit einem hohen Anteil an organischem Material überdeckt, in der Kleinfunde ausschliesslich des 2 Jh. n.Chr. zum Vorschein kamen. Zu einem deutlich späteren Zeitpunkt wurde der Steinbruch erneut genutzt, nun aber der obere Bereich. Die Auflassungsschicht enthält hauptsächlich Steinsplitter sowie einige neuzeitliche Objekte. Schliesslich wurden einige Mäuerchen freigelegt, die wahrscheinlich nach dem 16. Jh. errichtet worden waren. Ihrem Standort und ihrer stratigraphischen Lage nach zu urteilen, bildeten sie in der jüngeren Abbauphase die Nordgrenze des Steinbruchs.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 201-215.

 


Andrea Hep und Reto Marti, unter Mitarbeit von Herrmann Huber und David Wälchli

Neues zur Besiedlung des Fricktals in prähistorischer und frühmittelalterlicher Zeit

Die Ausgrabungem in Gipf-Oberfrick 1998 (Allmentweg) und 2002 (Kornbergweg)

 

Die Kantonsarchäologie Aargau führte 1998 und 2002 in Gipf-Oberfrick in zwei nahe beieinander liegenden Parzellen Ausgrabungen durch. In einer viermonatigen Untersuchung am Allmentweg (1700 m2) und einer einmonatigen am Kornbergweg (500 m2) wurden Siedlungsreste aus mehreren Epochen freigelegt.

Strukturen sind vor allem erhalten geblieben, wenn sie vormals eingetieft waren. Am zahlreichsten waren Befunde aus dem Frühmittelalter (spätes 6. bis frühes 8. Jh.), darunter zwei Grubenhäuser und einige bemerkenswert gut erhaltene Hausgrundrisse. Besonders hinzuweisen ist auf zwei grosse, vierschiffige Pfostenbauten von rund 13.5?24 m. Die geborgene Keramik erlaubt erstmals eine kulturräumliche Einordnung des Fricktals in der Merowingerzeit. Dabei zeigen sich zum einen Verbindungen ins benachbarte Baselbiet (und das Oberrheintal), zum andern ins Mittelland und möglicherweise in die rechtsrheinische Alamannia – eine Beziehung, die vielleicht auch an einigen Hausformen ablesbar ist.

Stark fragmentierte Einzelfunde weisen auf eine nahe gelegene römerzeitliche Siedlung hin. Drei Gruben und ein Pfostenbau stammen aus prähistorischer Zeit: die erste Grube, eine Herdgrube mit rechteckigem Grundriss, datiert in die Spätbronzezeit, die zweite Grube enthielt Keramik aus dem Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit sowie Hirsereste, die dritte Grube und der Pfostenbau können nicht näher datiert werden. Ausserdem förderten die Ausgrabungen vier Keramikscherben der Glockenbecherkultur zu Tage.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 217-254.

 


Irene Ebneter

Verloren - geopfert - entsorgt

Flussfunde aus der Thur bei Schwarzenbach und Unterbazenheid (Kanton St. Gallen)

Metallgegenstände, die im Schotter der Thur lagern, machen den Fluss zur Quelle für die Besiedlungsgeschichte. Goldwäscher bargen in den Jahren 1997/98 an zwei Stellen rund 300 kg Funde aus der Thur. Unser Aufsatz zeigt auf, welche Aussagen — zu Themenbereichen vom Alltagsleben bis zur Besiedlungsgeschichte — ein solches Ensemble zulässt, obwohl es teilweise zufällig zustande gekommen ist.

Die Auswertung umfasste 1796 inventarisierte Objekte . Die besondere Bedeutung dieser Flussfunde liegt in der fast unerschöpflichen Vielfalt an Metallgegenständen aus den Anfängen der Metallnutzung bis heute. Mittelbronzezeitliche Nadeln bezeugen, dass das Sankt-Galler Thurtal bereits in prähistorischer Zeit von Menschen begangen und besiedelt war. Ein Rixheimschwert kann als sakral motivierte Niederlegung der Spätbronzezeit gedeutet werden. Keltische Münzen lassen vermuten, dass thuraufwärts ein spätkeltischer Siedlungsplatz lag. Auffällig ist die Menge der römischen Funde. Neben Münzen finden sich mehrere Fibelfragmente. Römische Siedlungsspuren fehlen allerdings noch in der Umgebung. Gegenstände aus dem Früh- bis Spätmittelalter bestätigen das aus historischen Quellen bekannte Siedlungsbild. Zahlreich sind neuzeitliche Objekte.

Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte
88, 2005, 255-281.

 

 

 
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